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| CC: „Im Alter von 17 Jahren reiste ich als Mitglied eines Jugendchors nach Polen. Die Tournee wurde von der US-Regierung finanziert. Amerikanische Chormusik in den schoensten Kathedralen Polens aufzufuehren, war eines der spirituellsten Erfahrungen, die ich je hatte. Ich sah, wie die Kraft der Musik die Menschen zu inspirieren vermag. Später erkannte ich, dass darin der Sinn liegt, ein Musiker zu sein- Menschen zu inspirieren, Menschen zu ermutigen. |
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| Im darauffolgenden Jahr, bei meiner ersten Stelle als Dirigentenassistent fuer vier Jugendorchestra an dem Usdan Center in New York, errinere ich mich sehr gut an das Gefuehl, dass ich hatte, als ich zum erstem Mal zum Dirigieren auf die Buehne ging - ich fuehlte mich sofort zu Hause. Meine Klavierlehrer wollten, dass ich mich mehr auf ein Repertoire an Klavierstücken konzentrierte, aber ich war damit nicht einverstanden, weil ich nicht einfach nur ein weiterer Klaviervirtuose werden wollte. Ich wollte das ganze Repertoire lernen: Lieder, Kammermusik, Symphonien, Opern – wie ein gigantischer Schwamm habe ich alles aufgesaugt. Ich wollte unbedingt dieses riesige Musikuniversum in mich aufnehmen und ich erweitere immer noch mein Repertoire.“ |
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| CC: „Flexibel zu sein. Musik ist niemals gleich. Sie veraendert sich staendig in letzter Minute. Es ist wichtig nicht aus dem Gleichgewicht zu fallen, wenn sich die Erwartungen nicht erfuellen. So ist das Leben: Es veraendert sich staendig, niemals stagnierend. Diese Erkenntnis ist wichtig, damit man sich auf jede neue Lebenssituation anpassen kann. Das Resultat wird durch die Entscheidung wie wir reagieren bestimmt.“ |
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| CC: „Beethoven – weil er trotz seiner Taubheit mit großer Kraft weiter Musik gemacht hat. Er hätte auch aufgeben und ein hoffnungsloser Alkoholiker, so wie sein Vater werden können. Zum Thema Väter...mein Vater. Ich habe ihn sehr genau beobachtet. Er hatte diese unglaubliche Fähigkeit, auch bei größtem Stress oder in schwierigen Situationen ruhig zu bleiben. Er löste mit seiner "eigenen ruhigen Art" scheinbar unmögliche Aufgaben. Und er hatte ein gütiges Herz. Die Leute konnten das spüren und haben es erwidert. |
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| Toscanini hat mich von allen Dirigenten am meisten beeinflusst, weil seine Lebenseinstellung und seine Ideale unglaublich hoch waren. Er war ein Perfektionist und seine Ergebnisse waren außergewöhnlich. Das ist ein wunderbarer Maßstab für mich.“ |
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| CC: „Das ist eine gute Frage. Ja und Nein. Einige der erfolgreichsten amerikanischen Dirigenten haben ganze Jahrzehnte, teilweise in gehobenen Positionen, im Ausland verbracht, ohne sich in den Staaten zu etablieren. |
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| Aber das Bild hat sich schon veraendert, da es mittlerweile amerikanische Musikregisseure in San Francisco, Seattle, Salt Lake City, Denver, Boston, New York, Buffalo, Atlanta und Washington D.C. gibt. Und die Vorstellung, dass das was aus dem Ausland kommt besser ist, als das Einheimische verliert sich allmaehlich.“ |
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| CC: „Orchester Boards und Managements sind beim Planen sehr vorsichtig. Und die Dirigenten sind ebenso sensibel gegenüber der Aufnahmebereitschaft vom Publikum. Es ist eine Frage der Erziehung. Überall kann das Publikum langsam an die neue Musik gewöhnt werden und sie voll genießen, so wie das gedacht ist. |
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| Ich habe viele Weltpremieren und Erstvorstellungen dirigiert. Das Problem ist, dass man als junger Dirigent die großen Monumente der westlichen Zivilisation angehen möchte – Beethovens Neunte, die Missa Solemnis, Bachs B Moll Mass, Verdis Otello. Das schließt ja nicht die Pflicht und Verantwortung aus, auch neuere Musik zu dirigieren, aber die Bedingungen müssen stimmen und die richtige Zeit muss kommen.“ |
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| CC: „Immer wieder haben Kunstliebhaber unzählige Kunstorganisationen gerettet. Es ist auch wieder ein Aspekt der Erziehung. Wenn ein Schüler vor der Universität 12 Jahre in die Schule geht und ihm nicht gezeigt wurde, wie man Musik ehrt, wie man singt und/ oder im Schulensemble spielt, wenn man ihn nicht zu Konzerten, zur Oper oder ins Ballet mitnimmt, wenn keine Kunstvereine regelmäßig in die Schule kommen, um die Studenten an ihrer Kunst teilhaben zu lassen – dann wird er als Heranwachsender nicht plötzlich zu einem Klassikhörer. Das wäre eine falsche Erwartung. Es liegt an uns. Jeder einzelne ist dafuer verantwortlich grossartige Kunst mit jungen Studenten zu teilen. Musik hat einen enormen Einfluss auf junge Leute. Viele der jungen Menschen von Heute befinden sich auf unsicheren Wegen. Wir müssen die Macht der Musik nutzen, um die Herzen aller Menschen zu durchdringen, um Hoffnung, Mut und Vertrauen für die Zukunft zu wecken. |
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| Wir müssen hinsichtlich der Kunsterziehung umdenken und dürfen uns nicht darauf verlassen, dass die staatlichen Schulen eine Einführung in die Musik vermitteln, genauso sollten wir von der Regierung erwarten, dass sie die Künste subventioniert. In Europa unterstützten die Regierungen die Künste in großem Maß, aber das hier ist nicht Europa. Ich bin natürlich nicht gegen Subventionen der Regierung, aber die Realität in den USA, egal welche Partei zu welcher Zeit gerade an der Macht ist und egal ob die Steuern erhöht oder gesenkt werden, sieht so aus, dass es viele reiche Personen gibt, die Fonds und Stiftungen gegründet haben, um Geld zu spenden, und riesige globale Unternehmen, die unglaubliche Summen an Bargeld angehäuft haben. Und es gibt keinen Grund, warum nicht in Zukunft diese Leute, die über den Scheckbüchern sitzen, sich freuen, über den Weg der Erziehung die Kunst und Musik jedermann verfügbar zu machen. Und es wird passieren. Es haben schon viele Menschen realisiert, dass es verkehrt ist, sich auf eine handvoll Engel zu verlassen, die unsere Kunstorganisationen unterstützen.“ |
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| CC: „Gary Graffman hat bei der Jahreskonferenz 2002 der American Symphonie Orchestra League ein interessantes Interview gegeben, wo er feststellte, dass in seiner Jungend das Publikum überwiegend grauhaarig war und 50 Jahre später ist das immer noch so! Andererseits habe ich kürzlich eine Klassikvorstellung im New Yorker Central Park gesehen und ich war sehr erfreut darüber, ein relativ junges Publikum vorzufinden. Die Grauhaarigen waren eindeutig in der Minderzahl. |
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| Es ist nicht so schlimm, wie es manchmal aussieht. Zum Beispiel gibt es Operngruppen überall in den USA, die es vor 30 Jahren gewiss nicht gegeben hat. Es gibt viele Sommermusikfestivals in den Bergen und in der Wüste. Man kann jetzt von vielen Komponisten Aufnahmen von kompletten Werke kaufen, was man vor 20 Jahren nicht konnte. Es gibt jetzt Videos und DVDs von jeder Oper, die aufgeführt wurde. Ebenso ist dies eine relativ neue Entwicklung der letzten 20 Jahre. Viele öffentliche Bibliotheken haben eine Menge Aufnahmen des Standard Repertoires und auch viel Auswahl im esoterischen Repertoire. Jetzt ist es recht üblich, alles auf einem Computer oder sogar Laptop mit virtueller Audiosoftware aufzunehmen. Es gibt Software für Hunderte von Dollars, die eine Ausrüstung im Wert von mehreren zehntausend Dollars ersetzt und die digitale Musik zugänglicher macht und das Komponieren vereinfacht. Also kann man schlecht verallgemeinern: Alles wird schlimmer, weil diese sehr positiven Entwicklungen zu der gegenwärtigen Gesamtwirklichkeit beitragen. Es ist die Verantwortung von jedem, große Kunst mit jungen Schülern zu teilen.“ |
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| CC: „Es mag Sie vielleicht überraschen, aber ich bewege mich zwischen den Sounds, Klangfarben und Stilen, die manche Orchester und Regionen von anderen unterscheidet. Was Karajan in Berlin erreicht ist bewundernswert. An der Metropolitan Oper hat Levine eines der größten Orchester der Welt aufgebaut. Man muss sich über die Fähigkeit einiger amerikanischer und englischer Orchester wundern, praktisch alles vom Blatt zu spielen. Einerseits gab es eine Tendenz in Richtung eines insgesamt einheitlichen, homogenen Sound, da der Orchester Standard innerhalb der letzten 100 Jahre ständig gestiegen ist. Aber es ist etwas ganz besonderes, wenn ein russisches Orchester Tchaikovsky spielt. Es ist ein bestimmter Klang, der mit nichts anderem vergleichbar ist. Es ist in der Tat es ist eine außergewöhnliche, spirituelle Erfahrung, russische Musik mit russischen Orchestern für ein russisches Publikum zu dirigieren. Aus dem gleichen Grund werde ich niemals vergessen, als ich zum ersten Mal die Wiener Philharmoniker den 1. Satz von Beethovens Pastoral Symphonie habe spielen hören – das ist wirklich ein einzigartiger Sound mit einer ganz besonderen Note! |
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| Was macht den gemeinsamen Klang eines Orchesters aus? Es ist auch der Ausdruck der Herzen der Spieler. Das ist sehr subjektiv. |
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| Vorausgesetzt der Ton stimmt, gibt es keine Überlegenheit einer Klangfarbe oder eines Stils. Die Dirigenten sind legendär im Erschaffen von besonderen Sounds. Stokowski war Organist und sehr interessiert an Klangfarben. Er würde sogar einen Holzbläser dazu bitten, das Rohrblatt zu wechseln, um einen anderen Klang zu bekommen. Toscanini und Ormandy waren Spieler von Saiteninstrumenten und das machte ihren speziellen Klang aus: Toscanini hat sein Orchester ständig ermahnt, zu singen, während er in seinen Gedanken und mit seinem Herzen den imaginären Cellopart dazu spielte. Früher spielten die Orchester Portamento. Heutzutage wird das als Tabu angesehen, aber in den 20ern und frühen 30ern war es ziemlich verbreitet und klang wunderschön.“ |
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| CC: „Sicherlich haben Komponisten wie Bach, Mozart und Beethoven ständig nach neuen, verbesserten und höherwertigen Instrumenten gesucht, die immer ausdrucksvoller und vielseitiger wurden, und ihre Freude daran gehabt. Wir dürfen die Tatsache nicht außer Acht lassen, dass die Evolution in der Entwicklung und Herstellung von Instrumenten nach ihrem Tod bis heute weitergegangen ist. Und ich sehe keinen Grund, diese ungeheuren Verbesserungen, die weiterhin gemacht werden, zu begrenzen, weil das Leben dieser Komponisten vorbei ist! |
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| Gewisse Aspekte der Artikulation und Bogenführung wurden durch das Design und die Einschränkungen der alten Instrumente beeinflusst. Die Entscheidung fällt nicht leicht: Wann verlangt die Musik nach dem Originalinstrument und wann nicht. |
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| Zum Beispiel hat Leonardo da Vinci ein faszinierendes Instrument entwickelt, das den Klang von Streichinstrumenten mittels eines Geigenbogens, der die Saiten berührte mit den Vorteilen eines Keyboards und der anhaltenden Kraft einer Orgel durch ein Fußpedal, das ein Bogenrad in Bewegung versetzt hat, kombiniert hat. Wenn ich an das Adagio für Streicher von Barber denke, wo man sich wünscht, dass diese sehr, sehr lange, lyrische Linie nicht unterbrochen wird, ist das letzte, was du möchtest, die Änderung der Bogenrichtung zu hören. Hier wäre das Instrument von da Vinci ideal für diese Aufgabe. |
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| Sicherlich hat es Vorteile, von jedem Zeitalter einige der Aufführungspraktiken zu übernehmen, aber ich bin davon überzeugt, dass die Komponisten der Vergangenheit in Extase geraten wären, wenn sie die unglaublichen, modernen Instrumente, die heute gebaut werden, hätten hören und spielen können. Die beste Entscheidung ist, für alles offen zu bleiben. Und wichtiger als die Entscheidung, welches Instrument oder welche Artikulation genutzt werden, ist, dass die Musiker mit ganzem Herzen spielen. Begeistert sie die Musik? Und ist das Publikum wirklich hingerissen und begeistert als auch berührt und bewegt?“ |
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